The Hawk and the Scorpion – eine Pixiegeschichte

Ich dachte, nachdem ich das letzte Mal von meinen linguistischen Abenteuern erzählt habe, kann ich euch auch mal ein Stück Pixiegeschichte zeigen. Das hier ist nicht Teil des eigentlichen Kontinuums von Noctivagante und fast schon eine alternative Zeitlinie, aber das ist irrelevant.

Zur Erinnerung: Pixies haben keine Geschlechter, deswegen benutze ich die Pronomen von Anna Heger (auf deren Korrektur hin diese Einführung auch verbessert worden ist). Und um inhaltlichen Fragen vorzubeugen, weil das hier mehr geschrieben worden ist, um mich mit der ungewöhnlichen Sprache anzufreunden als um es herzuzeigen: Dalsna ist Khuras Kind, Khirom ist Khuras Geschwister, „Madu“ ist Khuras und Khiroms verwitwetes Elter Khiagari, Ljel ist Khuras Kurtisan und Dalsnas anderes Elter, Qaoprun ist der Stadtstaat, in dem sie leben, die Rose Hills sind ein Stadtteil, in dem die adeligen Pixies leben, Great Aerie ist das Anwesen der Familie Amberhawk. Titel auf Englisch, weil Rhythmus. Noch Fragen? Wenn ja, frag sie. Über Meinungen jedweder Art wäre ich wirklich, wirklich dankbar.

Khura ging nur gelegentlich persönlich über den Markt. Für niedere Aufgaben wie die tatsächliche Überwachung des Handels hatte sif Beamte und Gardisten, die sim persönlich unterstellt waren. Gardisten waren es auch, die sin umgaben, bewaffnet und mit gekonnt unterdrückten Gefühlen wie Blechspielzeuge, als sif nun doch über den Marktplatz schlenderte, sich die permanenten Hütten, Stände und Ladenauslagen besah und von allen Seiten höflich gegrüßt wurde.
Khura Amberhawk, der Marktmeister. Sif war keine Person, deren Unmut man erregen wollte, und so begegneten sim alle mit respektvoller Vorsicht, obschon sis Erscheinen hier mehr symbolischer Natur war, als einen tatsächlichen Nutzen zu erfüllen. Die Zeiten, in denen ständig mit gefälschtem Geld gehandelt und zu geringe Mengen an Waren zu zu hohen Preisen feilgehalten wurden, waren längst vorbei.
Längst war der Markt kein Ort mehr, an dem nur Handel getrieben wurde. Hier traf man jede Menge Straßenkünstler und andere Pixies, die ihre Künste demonstrierten. An dieser Ecke zeigte jemand sire dressierten Seidenhühner, an jener spielte jemand auf einer elfsaitigen Laute eine Volksweise. Khura genoss diese Vielseitigkeit, diese Darstellung des ungezügelten Lebens auf den schönen Straßen Qaopruns, die aussahen, als hätte das letzte Jahrtausend vergessen, auf sie einzuwirken. Die Häuser, die Brunnen, die Gehsteige, sie alle wirkten vom Fluss der Zeit befreit, altmodisch und zugleich wie neu, als wäre jeder dieser Musikanten, Artisten, Maler, Geschichtenerzähler, Wahrsager und Quacksalber eigentlich ein unter einem Tarnmantel der Magie verborgener Longaevus oder Yakshina aus einer alten Sage, der für eine Darstellung sires Könnens in Lebensjahren, Wünschen oder Rätseln bezahlt werden musste.
Die Aufmerksamkeit auch weiterhin vollkommen auf all die Farben und Geräusche gerichtet, schritt Khura stolz an den Hochbeeten entlang, die den breiten Gehsteig säumten und in denen Hasenglöckchen, Moorkönige und Baumwollgras, weiß und weich wie Khuras Haar, gleichgültig gegen das rege Treiben um sie her die anmutigen Köpfe in die Luft streckten. In ihrer Schönheit und aufrechten Haltung stand Khura den Blumen in nichts nach, das wusste sif, und sif hielt es nicht für nötig, diese Tatsache und sis Bewusstsein derselben zu verbergen. Sire Gardisten flankierten sin pflichtbewusst und ohne einen Laut von sich zu geben.
Dann aber traten sie, noch ehe Khura sich gewahr wurde, was vor sich ging, einen halben Schritt vor sin und hielten ihre Zweililien martialisch vor sich, als ein aufgeregt wirkender Pixie durch das Gedränge auf Khura zu stürzte. Diesif erntete missmutige Blicke, einige Verwünschungen und sogar den einen oder anderen beiläufigen Schlag mit dem Schwanz von jenen, die sif beiseite drängte.
„Marktmeister!“, rief sif. „Tiarna Amberhawk! Bitte hören Sie mich an!“
Khura blieb stehen und musterte den Pixie abschätzig. Sire Skarifizierung war simpel, symmetrisch und beschränkte sich auf sire Stirn und Kinn, sis silbernes Haar war zu einem pinselborstenkurzen Pferdeschwanz gebunden. Sire Kleidung war die eines einfachen Arbeiters, schmucklos, grob und verschmutzt. Sif war mittleren Alters, oder jedenfalls älter als Khura selbst. Körperliche Arbeit ließ einen schneller altern, weswegen Khura nur schwerlich einschätzen konnte, wie alt jemand war, der ihr nachging.
Wie als nachträglichen Einfall verneigte sich der Fremdling vor sim. Mit einer Handbewegung bedeutete Khura den Gardisten, sich wieder in Stellung zu begeben. Sie kamen dieser stummen Aufforderung auf der Stelle nach und senkten ihre Waffen.
„Was ist dein Anliegen, Lim?“, erkundigte sich Khura mit sanfter Stimme.
„Sie kennen Petalrains Schau, Marktmeister?“, fragte der Pixie zögerlich. Sif schien sich nicht mehr sicher zu sein, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, sich an Khura persönlich zu wenden.
Diesef jedoch tat sin Bestes, um dem Fremden die Nervosität zu nehmen, die sif spürte wie ein unangenehmes Kribbeln im Nacken.
„Du meinst das Panoptikum?“, fragte sif höflich nach.
„Das Kuriositätenkabinett, Marktmeister“, gab sif kleinlaut zurück.
„Ja, ich kenne es“, bestätigte Khura. Qeyra Petalrain hatte schon des Öfteren knapp am Rande des Gesetzes einen neckischen Tanz aufgeführt, indem sif in sirem Panoptikum gefährliche Tiere, gesundheitsschädigende chemische Experimente oder moralisch fragwürdige Akte präsentierte. „Was ist damit?“
„Marktmeister“, stammelte dif Fremde, „ich will Petalrain nichts anhängen, aber…“
Khura lächelte dünnlippig und versprach: „Jede Information, die du mir gibst, wird vertraulich behandelt. Nichts wird mit dir in Verbindung gebracht werden.“
Dif Fremde nickte und senkte den Kopf, dann erzählte sif: „Sie haben dort einen Sklaven, Marktmeister.“
„So?“
„Einen Sklaven, der nicht arbeitet, meine ich. Sie zeigen ihn nur her“, fügte sif rasch hinzu, als befürchtete sif, Khura ungeduldig zu machen. „Es ist keiner von uns. Es ist auch kein Naga. Ich glaube, es ist ein Wüstenpixie, und ich glaube außerdem, es ist noch ein Kind.“
Auf der Stelle war Khura hellhörig. Es war verboten, Sklaven zu missbrauchen, indem man Dinge mit ihnen machte, die nichts mit Arbeit zu tun hatten – das Herzeigen in einer Ausstellung war eines davon, wurde aber mehr als Kavaliersdelikt behandelt als alles andere. Warum sollte man eine Person, die man dazu zwang, sich in einer Mine oder auf einer Farm in ein frühes Grab zu rackern, in einem Bordell die Beine breit zu machen oder sich mit Chemikalien bei Arbeiten, die keiner machen wollte, Körper und Verstand zu verseuchen, nicht herzeigen wie ein Tier in einem zoologischen Garten? Es war nichts als eine Sentimentalität ihrer Vorväter, der Gedanke, dass man Pixies nicht einsperren durfte, solange sie sich keines Verbrechens schuldig gemacht oder sich selbst für die Beraubung ihrer Freiheit entschieden hatten. Auf diese altmodische Ehrpusselei gab Khura nicht viel.
Allerdings – ein Kind? Wer wäre so grausam, ein Kind für Profit einzusperren? Selbst um die Kinder tatsächlicher Sklaven kümmerte sich das Gesetz, und es sorgte dafür, dass kein Kind unter einem bestimmten Alter arbeiten musste. Keinem Kind etwas zuleide zu tun, egal welcher Rasse, war eines der Prinzipien, nach denen Khura lebte. Im Gegensatz zu anderen aß sif nicht einmal junge Nagas. Kalt und weiß flammte Wut in sim auf.
„Danke für die Information, Lim. Ich werde der Sache sofort nachgehen“, gab Khura mit etwas schärferer Stimme zurück, als sim lieb gewesen wäre. Für einen kurzem Moment spürte sif, wie sich die Nervosität dis Fremden in wabernde Angst verwandelte, sodass sif sich an die Chatelaine griff, sire Geldkatze öffnete und dim Fremden eine Dhyelmünze reichte, die diesif mit großen Augen anstarrte, während seine Empfindungen rasend schnell von Überraschung und Unglauben zu Dankbarkeit und schließlich zu heller, warmer Freude wechselten.
„Hier, für deine Mühen. Niemand soll sagen, es würde sich nicht lohnen, das Gesetz zu achten“, erklärte Khura gutmütig, während sif siren Zorn zurückdrängte. Dif Fremde ergriff die Münze hastig, als fürchtete sif, Khura könnte es sich anders überlegen, nickte dann in der Andeutung einer Verneigung mit dem Kopf und verschwand wieder in der Menge. Khura sah sim nach, bis sif die Anspannung und Freude des Pixies nicht mehr wahrnehmen konnte, dann wandte sif sich an sire Garde.
„Ihr habt gehört, was uns dif freundliche Lim gesagt hat. Gehen wir also zu Petalrains Panoptikum“, befahl sif ihnen.

Das besagte befand sich an der Ecke zwischen Marsh Marigold Alley und Northlaughter Bridge, das grellrot angestrichene Erdgeschoss eines Gebäudes, das es mit seiner ansonsten weißen Fassade und den schiefrunden Muschelornamenten in metallischem Minzgrün auffallend und unverschämt modern wirken ließ. Selbst die Aufschrift auf dem elfenbeinfarbenen Schild über den Eingang wirkte aufdringlich mondän und schick. Es lenkte den Blick auf sich, nur um den Betrachter aus der Illusion, sich in einer längst vergangenen Zeit zu befinden, gewaltsam herauszureißen. Das gesamte Äußere schien es darauf anlegen, schon durch seine hehre Präsenz zu provozieren – was natürlich exakt war, was Qeyra Petalrain im Sinn gehabt hatte.
Jetzt, da viele Pixies Mittagspause hatten, standen ein paar am Schalter, an der ein erschöpfter Pixie Eintrittskarten stempelte und austeilte. Khura machte sich nicht die Mühe, sich hinten anzustellen. Die anstehenden Pixies wichen zurück, als sie sin mit siren Wachen in ihren opulenten Rüstungen erblickten, sodass sif auf keinerlei Widerstand stieß, als sif sich der Kasse näherte. Der müde Kassierer zog erst die feinen weißen Brauen zusammen, dann den Kopf zwischen die Schultern. Sis überwältigendes Unbehagen schwappte über Khura hinweg wie eine eisige Welle, sodass sif sich fragte, ob der Kassierer nicht auch etwas ausgefressen haben konnte, doch darum machte sich Khura keine Gedanken.
„Wäre Lim Petalrain zu sprechen?“, fragte Khura betont höflich.
„Das kommt darauf an“, erklärte der Kassierer zerknirscht, dann, nach einem Herzschlag der Furcht: „Ich schätze schon, Tiarna…“
„Amberhawk“, erklärte Khura auf das vage Gefühl der Unsicherheit hin, das der Kassierer verströmte.
„Marktmeister“, verbesserte dieser hastig. „Treten Sie ein, Lim Petalrain müsste gerade drinnen sein.“
Und das tat Khura, verfolgt von der Erleichterung des Kassierers, die der eines Tiers, das sich einem Jäger entkommen glaubte, nicht unähnlich war. Das Panoptikum war in vier Räume aufgeteilt, von denen zwei durch einen kurzen Flur verbunden waren, und auf jedem Zentimeter befanden sich Ausstellungsstücke: In Weinbrand eingelegte, aufgeschnittene Eier von Nagas und sezierte Mäuse samt derer Innereien, ein mumifizierter Naga mit im Tod zu einem ewigen Schrei verzerrtem Gesicht, ein kunstlos ausgestopftes Einhornfohlen mit zwei Köpfen, dessen zarte Größe darauf schließen ließ, dass es aus dem Süden stammte, jede Menge Taxidermien exotischer Tiere, das eine oder andere unglückliche lebendige Exemplar in grell beleuchteten Käfigen, unappetitliche Darstellungen von Nasennebenhöhlen, aufgeschnittenen Pestbeulen, einem jungen Bromeliapixie mit übler Skoliose, verwachsener Zwillinge, die im selben Ei herangewachsen waren, eines halbtoten Opfers von Syphilis, eines Rückens voller Narben, wie sie ein Blitzschlag zurückließ, die künstlerische Darstellung des Inneren Refugiums mit all seinen Glyphen, die die physischen Sinne eines Pixies nicht zu erfassen vermochten. Alles davon war mit Gaslicht so beleuchtet, dass es möglichst dramatisch wirkte.
Khura war schon in der Vergangenheit hier gewesen; einmal, als sif noch ein halbes Kind war und nach Ekelpornografie wie dieser gegeifert hatte, und einmal, als eine Gruppe von Priestern sin angefleht hatte, etwas dagegen zu tun, dass Petalrain hier den in einer speziellen Flüssigkeit konservierten Kopf eines Nachtpixies ausgestellt hatte, statt ihn dem natürlichen Zustand des Zerfalls zu Sternenstaub auszusetzen. Keiner hatte sich erklären können, was diese Flüssigkeit war oder warum jemand es darauf anlegen sollte, einen Pixie zu konservieren wie ein Tier, aber es war allen und zuvorderst den Priestern gegen den Strich gegangen. Khura hatte sich nicht ausmalen können, wie Petalrains Sensibilitäten diese Tat zugelassen hatten, es sei denn, das Prinzip von Sensibilitäten wäre sim fremd. Jedenfalls hatte es sim reichlich verstört-neugierige Zuschauer verschafft, bis Khura sim den Kopf entwendet und den Priestern überlassen hatte, die vergeblich versucht hatten, die Identität des armen Toten herauszufinden, ehe sie ihn schließlich verbrannt hatten, da er auch nach der Befreiung aus dem Konservenglas nicht zerfallen war.
Qeyra Petalrain war ein verstörend charismatischer, charmanter und witziger Zeitgenosse, der genau wusste, wie er sich zu präsentieren hatte. Im Kontrast zur schreienden Fassade sires Panoptikums war sif elegant, aber unaufdringlich gekleidet, das lange Haar trug sif in einem simplen Wasserfallzopf, aus der Stirn gehalten von einem schmalen silbernen Band. Lachend und mit gekonnt eingesetzten Gesten erklärte sif gerade einer Gruppe von Besuchern eine haarsträubende Geschichte, wie sif an das Exemplar gekommen war, um das sie einen Halbkreis bildeten. Die Geschichte mochte wahr sein oder nicht, aber es brauchte nur einige Sekunden des Zuhörens und Khura wusste, dass sif nicht länger nach dem Objekt sires Aufenthaltes zu suchen brauchte.
„…ist es ein bisschen müde, aber das macht wohl die lange Reise. Wenn es sich erst ausgeruht hat, ist es sicher wieder aktiver, aber um Ihretwillen, liebe Limes, kann ich es gerne ein wenig pieksen, bis es zumindest reaktiv wird…“, erklärte sif jovial.
Als sif bemerkte, dass sich näherte, was sif als weitere Publikum interpretierte, sah sif mit einem freudigen „Ah!“ in Khuras Richtung, dann jedoch verfinsterten sich Miene und Laune, als sif erkannte, wen sif vor sich hatte.
„Kann ich Ihnen helfen, Marktmeister?“, fragte sif, die Stimme triefend vor passiver Aggressivität. Die Zuschauer starrten Khura und sire Garde an, einige fragend, andere verschreckt, manche immer noch mit dem begeisterten Ekel, den viele Besucher dieses Panoptikums empfanden.
„Ich würde mir gerne Ihr neues Ausstellungsstück ansehen, Lim Petalrain.“
Wie dressierte Hunde machten die Zuschauer Khura auf diese Ansage hin Platz. Petalrains Hand zuckte nervös an der angespitzten Stahlstange, die sif umspannt hielt, zweifelsohne, um das Geschöpf in dem hell erleuchteten Käfig hinter sich zu quälen.
Klein, mager und zusammengesunken saß ein apathisches safranfarbenes Geschöpf in der Ecke, die digitigraden Beine eng an den Körper gezogen, den peitschendünnen Schwanz, aus dem die Wirbel ragten wie Sägezähne, um sich geschlungen, das spitze Kinn auf den Knien ruhend. Mit jedem flachen Atemzug hob sich sichtbar die knochige Brust. Das schüttere Haar, das in seiner Farbe fast exakt seinem Hautton entsprach, war ihm offenbar vor nicht allzu langer Zeit geschoren worden, doch mittlerweile ragte wieder ein fingerbreit davon aus dem mittleren Drittel seines Kopfes wie die Mähne eines Pferdes, wie es bei den Wüstenpixies typisch war – so sagte man zumindest. Khura hatte noch nie einen mit eigenen Augen gesehen. Die langen Ohren, ebenfalls so typisch für Wüstenpixies, hingen sim schlaff zu den Seiten des Kopfes herab, sis Blick war trübe. Sire Pupillen waren so stark erweitert, dass sie fast sire ganzen sichtbaren, tief eingesunkenen Augen ausmachten. Sire Lippen waren rissig vor Trockenheit, sif trug nichts als eine leinerne Hose. An siren Armen, Beinen und Seiten befanden sich mehrere kleine Stichwunden unterschiedlicher Frische, einige davon eiternd. Als wäre sif gefährlich, als wäre der Käfig nicht genug, trug sif einen viel zu weiten Stahlring um den Hals, der mit einer Kette an der Wand hinter dem Käfig befestigt war. Jeder sirer unregelmäßigen Atemzüge pfiff leise, manchmal stieß sif ein gequältes, keuchendes Husten aus, das siren ganzen ausgezehrten Körper schüttelte. Sif zitterte am ganzen Leib und wirkte unsäglich pathetisch.
Und Petalrain hatte sin als „es“ bezeichnet.
Auf den lauteren Zorn hin, der in Khura aufwallte, rief Petalrain: „Völlig legal gekauft als Teil einer Sklavenkarawane…“
„…und hiermit konfisziert“, unterbrach Khura entschieden.
„Marktmeister!“, zischte Petalrain in verzweifelter Wut.
„Wollen wir einen Richter entscheiden lassen, wer von uns beiden im Recht liegt?“, fragte Khura mit einem angriffslustigen Lächeln.
Keiner der Zuschauer rührte sich, aber einige empfanden diese Auseinandersetzung offenbar als spannender als die eigentliche Ausstellung. Die Stille war gespannt, die Luft zum Schneiden dick.
Petalrain schürzte die Lippen, starrte Khura noch einige angespannte Momente lang wild an, dann griff sif an den Schlüsselbund an sirem Charivari, suchte einen der Schlüssel heraus und öffnete den Käfig. Sif trat herein, um auch den Eisenring um den Hals des Wüstenpixies zu öffnen, doch als sif sich näherte, wirbelte dieser zu sim herum, verkrampfte sich, schnaubte, fauchte, würgte. Khura sah mit Bestürzung, dass man sim oben und unten jeweils ein Paar sirer Reißzähne gezogen hatte. Sif musste an Dalsna denken. Könnte irgendwer grausam genug sein, Dalsna so etwas anzutun, nur weil sif einer anderen Rasse angehörte? Unvorstellbar.
Sif wandte sich an einen sirer Gardisten. „Bitte organisiere eine Rikscha oder eine Droschke.“
Zum anderen: „Nimm den Wüstenpixie in Gewahrsam.“
Im Chor erklang es: „Zu Befehl.“
Während sich der eine entfernte, löste der andere siren Umhang und legte ihn dem Wüstenpixie um, der nicht die nötige Kraft aufbrachte, um gegen Petalrain ernsthaft Widerstand zu leisten, als diesif endlich den Eisenreif löste. Daraufhin las der Gardist den Pixie auf, der sich in siren Armen wand, so gut er konnte, und törichterweise sogar versuchte, sif mit knochigen Händen zu würgen.
Mit einem Wink bedeutete Khura dem Gardisten, sim zu folgen, noch immer beobachtet von den stimmen Zuschauern und angefeindet von Petalrain. Sif ging nur in den nächsten Raum, wo sie im Moment ungestört waren, und beugte sich über das verstörte Geschöpf in den Armen des Gardisten. Sif war bis auf die Knochen abgemagert, aber auch davon abgesehen wirkte sif klein und dünn, geradezu filigran. Die Aura von Panik, die sin umgab, wäre sicher heftiger gewesen, wäre sif bei Kräften gewesen, doch das Flattern sirer Lider und Nickhäute über siren großen, weit aufgerissenen Augen sprach Bände.
Als Khura sim wider besseren Wissens eine Hand an die kalte Wange legte, zuckte sif zusammen. Dennoch streichelte sif sin vorsichtig und sagte sim, so beruhigend sif konnte: „Hab keine Angst. Es ist vorbei. Ich werde persönlich dafür sorgen, dass es dir gut geht.“
Sif war sich ziemlich sicher, dass der Wüstenpixie kein Wort verstand, aber sif hoffte, dass sis Tonfall eine gewisse Wirkung nicht verfehlte. Auch war sif nicht sicher, was sif mit dem Pixie machen würde, sobald dieser wieder bei Kräften war. Ihn auf eine Farm zu schicken wäre sicher sein Todesurteil bei dieser Kälte, aber vielleicht konnten sie einen weiteren Haussklaven brauchen. Das war besser als das Leben als Ausstellungsstück in einem Gruselkabinett.
Der Pixie kauerte sich zusammen und schloss die Augen, doch er entspannte sich nicht.
„Bring sin zu Dr. Birchwind“, bat Khura den Gardisten, gerade als der andere wieder hereinkam, salutierte und erklärte: „Marktmeister, eine Rikscha steht bereit.“
„Wunderbar“, gab Khura zufrieden zurück. „Begleite mich jetzt wieder, dein Kollege kümmert sich um den Rest.“
„Zu Befehl.“
Zu dritt traten sie aus dem melodramatischen Licht des Panoptikums wieder in das wohltuende Halbdunkel des Marktplatzes. Während der Wüstenpixie fortgebracht wurde, ging Khura wieder sirer Arbeit nach.

Khura blieb noch einige Stunden auf dem Markt, ehe sif dem geschäftigen Treiben den Rücken kehrte, sire Garde vom Dienst befreite und sich auf den Weg zurück in die Rose Hills machte. Dr. Birchwinds Praxis lag auf dem Weg nach Great Aerie, weswegen sif beschloss, nach dem Wüstenpixie zu sehen, noch ehe sif wieder nach Hause kam.
Das asymmetrisch verschnörkelte Eisentor war nicht bewacht und Khura trat hindurch und in den schlichten Kiesweg des Innenhofs, den nicht viel mehr als eine Reihe Büsche entlang des Weges verzierte. Auch die Türe war wie zu den Sprechzeiten üblich geöffnet. Khura drückte die Klinke in Form eines Birkenzweigs hinab und trat ein. Im Inneren empfing sin die gewohnt ruhige Atmosphäre mit dem Plätschern einer sanft beleuchteten Zimmergrotte, in der Grünpflanzen wuchsen, und dem gedämpften Gaslicht an den lavendelfarbenen Wänden. Im Wartebereich saßen zwei dicht aneinander geschmiegte Pixies, der eine mit geschlossenen Augen. In beider Gesichter zeigten sich kunstvolle Schmucknarben und gleißten Silberringe im Licht. Sie würdigten Khura keines Blickes und auch sif selbst tat nicht mehr, als ihre Anwesenheit anzuerkennen. Der Rezeptionist nickte Khura zu, trat dann hinter seinem Schreibtisch hervor, klopfte an die weiß getünchte Türe in den Nebenraum, öffnete sie auf die Antwort hin einen Spalt breit und verkündete Khuras Anwesenheit.
Dr. Birchwind trat hervor, die Hände halb erhoben und glänzend von Wasser.
„Tiarna“, begrüßte sif sin semiformell und mit einem milden Lächeln. „Ich habe Sie erwartet.“
Sif war mittleren Alters, klein und mit einem dreieckigen Gesicht, aus dem unter tief hinabgezogenen Brauen hellgrüne Rehaugen funkelten. Sire spitzen Wangenknochen standen in seltsamem Kontrast zu dem zarten Wespenstichmündlein und sire eleganten Skarifizierungen und langes bläuliches Haar wiesen sin als Mitglied einer reichen Sippe aus. Sif winkte Khura, sim in den anderen Nebenraum zu folgen, und schloss hinter ihnen die Türe. Der Raum war dunkel bis auf das matte Licht von draußen und die Kupferrohre, die sich an der Decke entlang schlängelten, gurgelten leise.
Der Wüstenpixie lag auf einer Liege, schlafend oder ohnmächtig. Unter der hellen Decke, die über ihn gebreitet war, war er vermutlich unbekleidet, denn seine Hose lag ordentlich zusammengefaltet auf der Fensterbank. Er trug einen Verband um den Kopf und atmete in flachen, pfeifenden Zügen durch den Mund. Mit einem Mal schnappte er tief nach Luft, hustete schleimig und sein Kopf fiel zur Seite. Unregelmäßige Wellen von Schmerzempfinden und Unruhe gingen von ihm aus. Die geometrischen Schmucknarben in seinem Gesicht waren rötlich hervorgehoben. Khura kannte sich zu wenig mit der Kultur der Wüstenpixies aus, um ihre Bedeutung beurteilen zu können, doch sif stellte sich gerne vor, dass der Pixie vor sim das Kind eines Häuptlings oder Stammesführers war, oder was auch immer das Äquivalent eines Adeligen der nomadischen Wüstenpixies sein mochte.
Unverblümt kam Dr. Birchwind zum Punkt. „Ich dachte, Sie würden dabei sein wollen, wenn ich sin euthanasiere.“
„Euthanasiere!“, wiederholte Khura, im ersten Moment erschrocken, ehe sif sich wieder fing und ruhiger fragte: „Ist sif denn jenseits aller Rettung?“
Dr. Birchwind wiegte den Kopf hin und her, ehe sif zögerlich antwortete: „Vielleicht. Sie brauchen keinen Medikus, um zu wissen, dass dieser Patient in sehr schlechter körperlicher Verfassung ist.“ Es war sim nicht angenehm, dieses Gespräch zu führen, das war klar, aber Khura spürte auch eine Spur Ungeduld in sirer Aura.
„In der Tat, das brauche ich nicht“, bestätigte sif.
„Eiternde Wunden, Lungenentzündung, Augenentzündung, angebrochene Rippen, Gehirnerschütterung, Unterkühlung, Austrocknung und das alles bei starker Mangelernährung und körpereigenen Abwehrkräften, die es vermutlich nicht einmal mit einem Schnupfen aufnehmen könnten“, listete Dr. Birchwind neutral die Diagnosen auf. „Außerdem ist sif vollgepumpt mit irgendeinem vermutlich gepanschten Stimulans, wohl um zu verhindern, dass sif umfällt, wenn sif gerade vorgeführt wird. Im Grunde ist es ein Wunder, dass sif bis jetzt überlebt hat.“
Mitfühlend verzog Khura das Gesicht. Sif hatte sich das nicht ganz so schlimm vorgestellt.
Als Dr. Birchwind Khuras Unbehagen spürte, wurde auch sif selbst weicher und fragte: „Verstehen Sie: Selbst wenn der Wüstenpixie überlebt – und ich will betonen, dass die Chancen schlecht stehen –, was soll dann aus ihm werden?“
Khura wollte auch weiterhin nicht wahrhaben, dass der Pixie so ohne weiteres sterben sollte, nachdem sif alles in sirer Macht stehende getan hatte, um sin zu retten, und gab zurück: „Zunächst könnte sif in unserem Haus unterkommen. Wir beherbergen einen Kinderbetreuer für die Kinder unserer Dienstboten…“ Als daraufhin Dr. Birchwind schief lächelte, brach sif ab.
„Tiarna, Sie haben es hier nicht mit einem Kind zu tun“, wies sif sin mit wohlwollender Sardonie zurecht.
Khura starrte sin an. „Ach nein?“
„Tatsächlich habe ich Grund zu der Annahme, dass dieses Exemplar bereits ausgewachsen ist – oder wenigstens beinahe ausgewachsen. Wüstenpixies tendieren zu sehr geringer Größe und geradezu diaphanem Körperbau.“
Nachdenklich ließ Khura den Blick über den Wüstenpixie schweifen, dessen ausgezehrter Körper unter der Decke fast verschwand.
„Dann“, verbesserte sif und wandte sich wieder dem Medikus zu, „kann sif im Heizungskeller arbeiten, wo es warm ist.“
„Und dort dann den Rest sires Daseins fristen? Niemals das Haus verlassen? Immer ein Außenseiter sein? Sif spricht vermutlich kein einziges Wort unserer Sprache, sif wäre ewig verloren unter vielen“, gab Dr. Birchwind zu bedenken.
Khura hasste es, doch sif musste sich eingestehen, dass ein Gnadentod wirklich zu klingen begann wie die beste Alternative.
„Ich bin nicht Medikus geworden, um jemanden dann nur am Leben zu erhalten um des Lebendigseins willen. Es spricht gegen meine persönliche Philosophie, jemanden lebendig zu erhalten, wenn difjenige dann nicht wirklich leben kann, verstehen Sie? Auch, wenn es sich nur um einen Sklaven handelt“, erklärte Dr. Birchwind, und Khura atmete in stummer Akzeptanz tief durch. Es gab nichts, was sif dem Wüstenpixie wirklich hätte bieten können.
„Ich verstehe“, gab sif widerwillig zu.
Dr. Birchwind versuchte, sim ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, ehe sif die Türe leise öffnete und siren Rezeptionisten bat: „Würdest du mir bitte das Zyankali bringen?“
Khuras Blick blieb auf dem Wüstenpixie. Sif war noch nicht ganz in der Lage, die völlige Verschwendung dieses kleinen, zarten Lebens zu akzeptieren. Er sah aus wie ein Kind, und auch wenn er keines war, löste er in Khura die gleichen Gefühle aus. Rot und zäh ging Schmerz von ihm aus, Schmerz, nichts als Schmerz.
Mit einer Pillendose in der Hand trat nach einem Moment Dr. Birchwind neben sin und fragte: „Wollen Sie es selbst tun?“
„Danke, aber nein“, seufzte Khura. Sif war zu zimperlich und hätte es nicht über sich gebracht.
„Wollen Sie dann den Raum verlassen?“, bot Dr. Birchwind an.
„Wenn Sie gestatten, bliebe ich gerne anwesend“, gab sif jedoch zurück.
„Natürlich.“
Der Medikus öffnete die Dose und nahm eine der Pillen heraus, ehe sif an den Pixie herantrat und sim die Pille sorgsam zwischen die Zähne platzierte. Starker Unwillen ergriff von Khura Besitz, der Drang, Dr. Birchwind zurückzuhalten, irgendetwas zu tun, was dem Wüstenpixie das Leben rettete, doch sif hielt sich gewaltsam zurück. Als sif bemerkte, dass sif von einem Fuß auf den anderen tänzelte und unruhig mit dem Schwanz peitschte, hielt sif sich gerade.
Ohne sin anzusehen, erklärte Dr. Birchwind halblaut: „Es ist ein völlig schmerzfreier Tod, wenn Sie das beruhigt.“
Mit diesen Worten drückte sif die Kiefer des Wüstenpixies zusammen. Das leise Knacken der Pille in seinem Mund ging Khura durch Mark und Bein. Ruckartig ebbte die Pein des Wüstenpixies ab, als der Tod über ihn kam und sein Kopf mit einem letzten rauen Seufzen zur Seite fiel. Khuras leises Entsetzen jedoch blieb.
Sif machte sich nicht die Mühe, den Tremor in sirer Stimme zu unterdrücken, als sif, noch immer ohne den Blick von dem Wüstenpixies zu lösen, verkündete: „Sif wird in den Katakomben von Great Aerie beigesetzt.“
„Das ist sehr großzügig von Ihnen“, entgegnete Dr. Birchwind ernst, während sif die Decke vom Leichnam zog und zusammenfaltete. „Ich werde Tearberry einen Priester holen lassen und sim Bescheid sagen.“
„Können Sie die Urne hier behalten, bis einer meiner Dienstboten sie abholt?“, fragte Khura. Sif wollte ungern selbst mit einer Urne nach Hause spazieren und dabei womöglich Madu oder Khirom Rechenschaft ablegen oder Ljels neugierige Fragen über sich ergehen lassen müssen, sondern es möglichst rasch und ohne Aufsehen hinter sich bringen.
„Gerne doch“, bestätigte Dr. Birchwind.
Khura blieb noch einige Minuten, bis die Leiche zu Sternenstaub zerfiel, nicht silberblau wie die eines Nachtpixies, sondern elfenbeinfarben wie Quarzsand. Nichts sagte so deutlich wie das, dass sif es hierbei mit einem denkenden, fühlenden Wesen zu tun hatte, nicht mit einem erhöhten Tier. Ein Pixie, ein Pixie. Betroffen stellte Khura fest, wie gering die Menge an Sternenstaub war. Dalsna war kleiner als der Wüstenpixie gewesen war, aber mit Sicherheit schwerer, und selbst bei sim bliebe deutlich mehr Staub zurück, wenn sif stürbe.
Sif sagte sich, dass sire Anwesenheit hier keinen Zweck mehr erfüllte, und wandte sich an den Medikus.
„Vielen Dank, Dr. Birchwind.“
„Ich wünschte, ich hätte mehr tun können“, gab diesif ruhig zurück.
„Vielleicht ja beim nächsten Mal“, erwiderte Khura mit einem traurigen, erstickten Lachen.
Dr. Birchwind begleitete sin zur Tür.
„Einen guten Tag, Tiarna Amberhawk“, verabschiedete sif sich.
„Danke. Auch Ihnen.“
Ohne ein weiteres Wort trat Khura zurück hinaus an die kühle Luft des stolzen Qaoprun.

10 Kommentare zu “The Hawk and the Scorpion – eine Pixiegeschichte

  1. Das mit den Pronomen für mich anfangs recht verwirrend, insbesondere, weil ich nie auf andere Weise damit in Berührung kam. Allerdings habe ich mindestens ab der Hälfte eher darüber hinweggelesen und mich einfach damit abgefunden, wobei die Gewöhnung zum Teil wohl auch rasch erfolgte, weil mich der Fortgang der Geschichte in den Griff zog und so etwas letztendlich doch unwichtiger wurde. Man findet sich, trotz ihrer Andersartigkeit, durch deine Erzählung rasch in die dargestellte Welt ein und ich fand es faszinierend (und dennoch die ganze Zeit nachvollziehbar) über die Anschauungen der Pixies zu erfahren, gerade wenn sie sich so sehr von unseren unterschieden.
    Der Geschichtenabschnitt war nun nicht unbedingt spannend, aber deine Art zu erzählen regte rasch zum weiterlesen an, die auftretenden Figuren waren plastisch und dreidimensional und teilweise auch sympathisch und die dargestellte Situation bedrückend, ohne dabei schmalzig oder so zu werden… Um es im Endeffekt zusammenzufassen: Gefiel mir gut 🙂

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    • Dass die Pronomen am Anfang für jeden gewöhnungsbedürftig sind, war mir klar. Das waren sie für mich auch XD Aber gut zu hören, dass sich das offenbar schnell legt. Noch mehr freut mich zu hören, dass mein Worldbuilding nachvollziehbar und meine Charktere authentisch sind, das wärmt mir das Herz :‘)
      Die Geschichte selber beginnt mit einem Meuchelmord, was in dieser Kurzgeschichte vielleicht die fehlende Spannung ausgleicht XD
      Vielen Dank!

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  2. Ich muss zugeben, auf die Umsetzung war ich sehr gespannt, nach allem, was du bereits darüber gepostet hast. Und der kleine Abschnitt hat mich nicht enttäuscht 😀 Wenn es noch mehr Text gegeben hätte, hätte ich stundenlang weiterlesen können.
    Die beschriebene Welt war ungewöhnlich und spannend, auch wenn man nur einen kleinen Einblick erhaschen konnte, und ebenso gab es bereits einen Hinweis auf mögliche Probleme, die dort vorherrschen, was mir sehr gut gefallen hat. Ganz besonders die Szene mit dem Wüstenpixie hat mich aufgrund des moralischen Dilemmas gefesselt – auch dass dabei schlussendlich und widerwillig eine Entscheidung getroffen wurde und die Charaktere nicht in der Lage waren, den Pixie zu retten. Das verleiht dem Abschnitt eine größere Tiefe als eine Rettung es ermöglicht hätte.
    So, dann komme ich mal zu dem linguistischen Teil, wenn sich bislang sonst keiner rantraut ^^
    Mit den Namen der Pixies kann ich mich problemlos anfreunden, auch wenn sie im ersten Moment etwas fremd und teilweise hart „klingen“, auch mit den englischen Titel bin ich einverstanden, nur bei dem Namen „Rose Hill“ für den Stadtteil bin ich mir noch unsicher. Da muss ich im ersten Moment immer an Hollywood oder eine Serie denken, ehrlich gesagt…
    Die Pronomen waren zu Beginn sehr ungewohnt und haben mich doch etwas im Lesefluss gestört. Ich persönlich bin eher für die zweite Version von Anna Hegel mit sier/siem etc., weil sie nach einer Verschmelzung der Pronomen klingen und daher leichter zu erschließen sind. In diesem Fall war der Text noch einigermaßen gut zu lesen, weil ja bereits bekannt war, dass Pixies geschlechtslos sind, aber bei einem richtigen Roman könnte man es ja schlecht drüberschreiben. Deshalb wäre sier/siem, wenn man es nicht weiß, leichter als geschlechtsneutral zu erkennen als beispielsweise sif, wo das f logisch schlecht einzuordnen ist. Ich bin aber sehr froh, dass du dich gegen die neuste Version mit x entschieden hast – die absolut unlesbar ist 😀
    So, ich glaube, das wäre erstmal alles, was mir spontan zu dem Thema eingefallen ist. ^^ Im Endeffekt hat mir der Text jedenfalls sehr gut gefallen 🙂

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    • Mir macht es immer ein bisschen Angst, wenn Leute dann riesige Erwartungen haben, weil es wahrscheinlicher macht, dass sie enttäuscht werden :’D Schön, zu lesen, dass das nicht der Fall war. Über ungewöhnliche Fantasywelten zu schreiben, ist auch immer eine gewisse Herausforderung, selbst bei Lesern, die nicht das mitteleuropäische Mittelalter + Drachen erwarten, weil trotzdem dann gern so eine Reaktion kommt wie: „Also, so habe ich mir das auch nicht vorgestellt…“ Gut zu hören, dass bislang auch keiner befremdet war. (Und Probleme haben sowohl die Stadt Qaoprun als auch die Nachtpixies an sich jede Menge XD)
      Dass die Namen der Pixies fremd und hart klingen, war ja durchaus beabsichtigt. Viele irdische Sprachen, die in nördlich gelegenen Ländern verwendet (oder zumindest mit kalten Gefilden assoziiert werden) werden, haben einen herben Klang, wie Norwegisch, Gälisch oder Russisch. Das wollte ich durch den Klang der Namen ein bisschen implizieren, mich freut also, dass es dir auffällt! Pixies aus zentral oder südlich gelegenen Ländern haben weicher klingende Vornamen wie Ljel und Jucari. Ich glaube an deine Fähigkeit, dich auch an den Rose Hill zu gewöhnen 😉
      Als ich noch versucht habe, selbst Pronomen zu entwickeln, habe ich auch mit „sier“ und Varianten herumgespielt. Mein Hauptproblem ist allerdings, dass es nicht wie „sif“ „weder männlich noch weiblich“ impliziert, sondern „beides zugleich“, was nicht ist, wie die Pixies sich selbst empfinden. Außerdem ist die Aussprache uneindeutig. Spricht man es „sir“ mit einem langen I, oder doch „si-er“, und wenn letzteres, wie betont man es? Diese Probleme gibt es bei „sif“ nicht. Die Version mit X ist sicher gut in formellen Schreiben oder auch mal in einem Zeitungsbericht oder so, aber für literarische Zwecke eben leider absolut ungeeignet xD
      Vielen Dank für den Kommentar, hat mir sehr weitergeholfen!

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      • Ha, ich Idiot. Jetzt bin ich endlich nach Tagen (Wochen) darauf gekommen, warum du die Geschichte Noctivagant genannt hast. Frei übersetzt: wandern bei Nacht und Hauptvolk in der Geschichte sind Nachtpixies. Kaktus!
        Probleme finde ich immer gut, sie treiben die Geschichte voran und machen gleichzeitig die Welt ein Stück tiefgründiger und damit auch „realistischer“, falls man davon sprechen kann. Aber dadurch ist es als Leser immer viel leichter die Welt als gegeben zu akzeptieren, zumindest geht es mir als Leser so. Deshalb habe ich mich so darüber gefreut 😀
        Die Namen kommen mir dann sehr entgegen. Ich liebe nordische Sprachen, besonders Gälisch, einfach weil der Klang so wunderbar ist und etwas befremdlich im Vergleich zur deutschen Sprache. Für Fantasy ist sie jedenfalls super geeignet.
        Ich hätte „sier“ mit einem langen I ausgesprochen, also genau so wie es geschrieben wird. Aber ich verstehe dein Problem, vor allem weil es sich dabei wirklich um eine Verschmelzung beider Geschlechter handelt und nicht direkt um ein Neutrum.
        Die X-Version ist wahrscheinlich das neutralste, was sprachlich möglich ist, aber meiner Meinung nach sieht es fast ein bisschen albern aus. Gleichzeitig habe ich dabei immer das Gefühl, dass der Autor dann auf jeden Fall politisch korrekt sein will, ohne dass es ihn tatsächlich interessiert oder er sich mit dem Thema beschäftigt hat. Aber wahrscheinlich ist das nur meine eigene wirre Vorstellung xD Jedenfalls gut, dass du dich da direkt gegen entschieden hast 😀
        Und mit Rose Hill werde ich mich sicher irgendwann auch anfreunden ;D

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  3. Vielen Dank, dass du in deiner Fantasy-Kolumne auf diese Geschichte verwiesen hast, sonst hätte ich sie sicher verpasst!

    Wie bereits die anderen Kommentatoren anmerkten, lesen sich die Pronomen zunächst sehr ungewohnt und haben mich am Anfang davon abgehalten, völlig in die Geschichte einzutauchen, doch bereits nach einer Seite gewöhnte ich mich an sie und es war kein Problem mehr, den Geschehnissen zu folgen. Andere könnten sich durch die Pronomen jedoch abgeschreckt fühlen :-/

    Was mir sehr gut an der Beschreibung deiner Pixies gefällt, ist, dass sie tatsächlich so wirken, als wären sie geschlechtslos. Ob nun Khura, Qeyra oder das Kind: Unter keinem von ihnen kann ich mir ein Geschlecht vorstellen, weil die Pronomina und vor allem ihre eigenen Handlungen verhindern, dass man sie in eine Schublade schiebt. Ein Beispiel wäre Qeyras Kuriositätenkabinett, dessen Beschreibung es unmöglich macht, zu sagen, ob es von einem Mann oder einer Frau geleitet wird; deine Charaktere handeln weder männlich noch weiblich, sie handeln einfach so, als würden sie diese Begriffe nicht kennen.

    Das Thema der Geschichte hat mich sehr fasziniert! Ich hatte erwartet, dass das Kind überlebt und Khura es aufzieht, doch stattdessen wird es getötet und wir werden vielleicht nie erfahren, wie es dazu kam, dass es halbtot ausgestellt wurde (zugegeben bin ich sehr müde und könnte diese Information überlesen haben). Ich kann immer noch nicht fassen, dass das tatsächlich passiert ist, dass das Kind tatsächlich gestorben ist … die Szene hat mich sehr nachdenklich gestimmt, genau das, was eine gute Geschichte meiner Meinung nach neben ihrem Unterhaltungswert erreichen sollte: Die Leser auch nach ihrem Abschluss zu beschäftigen.

    Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch und das ist die Aufzählung, die das Panoptikum beschreibt. Alle anderen Aufzählungen mochte ich (vor allem die des Marktes und der Krankheiten des Kindes), doch im Fall des Panoptikums wusste ich letztendlich nicht, wie es überhaupt aussah, da ich am Ende des Satzes bereits den Anfang vergessen hatte und die Kuriositäten so schnell hintereinander aufgelistet wurden, dass man keine Zeit hatte, sich ein Bild von ihnen zu machen :-/

    Ich freue mich schon auf weitere Geschichten aus diesem Universum! Vermutlich bis morgen, wenn ich mich an das Review zum Politik-Kapitel setze 🙂
    Liebe Grüße,
    Tatjana

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    • Jetzt ist sie auch auf FF.de, haha :’D Mal sehen, was daraus wird.
      Dass die Pronomen Leute abschrecken könnten, muss ich wohl in Kauf nehmen. Die Alternative wäre das allgemeine Maskulinum oder, noch schlimmer, Neutrum, und das würde ich wirklich, wirklich gern vermeiden D:
      Mich freut ehrlich, dass die Charaktere in deinem Kopf ungeschlechtlich sind ^__^ Genau das wollte ich (logischerweise) erreichen. Toll, dass es geklappt hat!
      Uhm, das ist kein Kind ^^““ Das sagt Dr. Birchwind auch explizit. Allerdings kann ich dir auch nicht sagen, wie es dazu kam, dass der Wüstenpixie ausgestellt worden ist, zumal er quer über einen (ziemlich riesigen) Kontinent gezerrt worden sein muss. Andererseits wurden in vielen europäischen Zoos auch Schwarze, Asiaten und Indianer ausgestellt, also ist es nicht völlig irrational. In jedem Fall finde ich es natürlich toll, dass die Geschichte dich berührt hat!
      Ich gebe zu, überhastete Aufzählungen sind so ein allgemeiner Fehler von mir. Ich will nicht mordsmäßig erklären, was was und wie ist und warum es so ist, und dann drei Absätze Infodump schreiben, und stattdessen drifte ich ins andere Extrem ab. Danke jedenfalls, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Ich versuche, es in der eigentlichen Geschichte zu vermeiden, soweit möglich.
      Auch insgesamt danke für den Kommentar und deine Meinung, war mir ein Vergnügen!

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  4. Ok, auch wenn der Text schon ein Jährchen da steht und vielleicht (in dieser Form) nicht mehr aktuell ist, möchte ich gern was dazu sagen, ich hoffe es hilft dir.
    Zuallererst: Dass du dir wirklich so viele Gedanken über die Geschlechter der Pixies und die passende sprachliche Umsetzung gemacht hast finde ich allein schon sehr innovativ. Dass du diese Ideen auch so konsequent umgesetzt hast finde ich bewundernswert und deinen Text allein deshalb schon lesenswert (wenn auch nicht nur deshalb). An der ein oder anderen Stelle stehen zwar schon noch grammatikalisch maskuline Pronomina, meist nur vereinzelt und einen kurzen Absatz lang, als dif Wüstenpixie beschrieben wird, als sif krank in der Praxis von Birchwind liegt. Mir scheint das war eher unabsichtlich, da sif Wüstenpixie sonst auch mit den geschlechtsneutralen/ geschlechttsverschmelzenden (?) Pronomina bezeichnet wurde. Ansonsten waren noch ein paar ers bei den Berufsbezeichnungen zu finden, was natürlich dazu passt, dass du die Berufsbezeichnungen im generischen Maskulinum gehalten hast. Das wiederum ist meiner Meinung nicht so gut. Wer deine Geschichte liest versteht natürlich, dass es nicht um männliche Figuren geht, aber die Assoziation bleibt trotzdem und leider lässt sich die auch nicht so leicht ausschalten – weil Menschen eben so denken. In deinem Artikel zu den Pixiepronomen meintest du, Studentnin klänge nicht geschlechtsneutral oder genderqueer, sondern feminin, weil -in weiblich assoziiert wird. Da stimme ich zu. Und auf die gleiche Art assoziieren wir „unsere unmarkierten Formen“ als maskulin, auch bei Berufen, auch ohne die Endung -mann. Für Pixies mag das nicht so sein, für „uns Menschen“ aber schon. Das geschieht überall unbewusst und hier sticht es leider auch noch ins Auge, weil die maskulinen Formen quasi als Sonderformen auftreten und herausstechen. Ich würde zumindest die maskulinen Pronomina durch die geschlechtsneutralen/ geschlechttsverschmelzenden ersetzen, evtl. auch noch die Berufsbezeichnungen systematisch geschlechtsneutral/ geschlechttsverschmelzend „markieren“. Für Pixies wäre das zwar nicht naheliegend – warum sollten sie etwas markieren, das für sie keinen Gegensatz haben? – doch ich denke eher an die Menschen, die über die Pixies lesen. Eine „ganz pixiegetreue Sprache“ wäre ohnehin ganz anders entstanden und die Berufs- und sonstigen Bezeichnungen hätten sich entsprechend anders entwickelt. Doch diese „ganz pixiegetreue Sprache“ sprechen und verstehen Menschen eben nicht. Deshalb wäre es meiner Meinung nach wichtiger, die „deutsche Darstellung der Pixiekultur“ eher an die „Menschensprache Deutsch“ anzupassen.

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  5. Und noch was zur Handlung: Khuras Haltung zur Sklaverei – bzw. die der Pixies – erscheint mir nicht ganz schlüssig. Einerseits ist Sklaverei für Khura anscheinend ganz normal und nicht falsch. Die Formulierungen Grab zu rackern, sich mit gefährlichen Chemikalien Körper und Verstand verseuchen für Arbeiten, die niemand machen will oder auch in einem Bordell die Beine breit machen legen aber eher Ablehnung für Sklaverei nahe, ein Unrechtsgefühl dafür. Wer Sklaverei befürwortet würde vielleicht eher von „Lebenszweck erfüllen“ oder „Arbeiten, die für uns zu gefährlich/ schädlich sind“ oder auch „Sklavenarbeit machen“ sprechen. Dass Khura letztlich din Wüstenpixie rettet begründet sif damit, dass sir Wüstenpixie ein Kind ist, was die Pixies anders bewerten. Warum? Ich behaupte nicht, Expertin für Sklaverei zu sein, aber ich habe noch nie gehört, dass eine sklavenhaltende Kultur Kinder verschont hätte, allgemein nicht und schon gar nicht die Kinder der Versklavten. Vor allem wenn die Sklaverei einen rassistischen Hintergrund hat, macht es keinen Sinn (jedenfalls erkenne ich keinen). Rassismus bezieht sich eher auf die biologische Herkunft – und die scheint eine Rolle zu spielen, da nur andere Pixiearten und keine Nachtpixies versklavt zu werden scheinen (liege ich da richtig?) – also müsste die ganze „Brut“ dazuzählen, spätestens wenn diese arbeiten kann. Machen (Nacht-)Pixies Unterschiede zwischen versklavten Pixies anderer Pixiearten und Wesen ganz anderer Arten (wenn sie die versklaven, was ich schlüssig fände)? Und wenn ja welche? Wie werden die Kinder der Versklavten behandelt? Werden sie als Solche auch einfach versklavt, wenn sie erwachsen sind oder vielleicht sogar freigelassen? Wie versklaven (Nacht-)Pixies überhaupt Leute? Ich erwarte jetzt nicht, das alles schön verpackt im ((bisher) ausschnitthaften) Text vorzufinden, nur frage ich mich das, weil sich mir das Prinzip der Pixiesklaverei noch nicht richtig erschließt.

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    • Bon!
      Mich freut zwar, dass dir die Geschichte zumindest zu Teilen gefallen hat, ich muss jedoch sagen, dass der größte Teil deiner Kritik darauf beruht, dass du Annahmen und Halbwissen hast, die dem Text einfach nicht entsprechen, oder auf persönlichen Vorlieben deinerseits, oder auf deinen persönlichen Vorlieben, die sich mit meinen nicht decken, die Geschichte jedoch, wenn wohl nicht schlechter, dann auch nicht besser machen würden.
      Zunächst: Das Wort „Pixie“ sowie die Berufsbezeichnungen im generischen Maskulinum sind, wie letzteres schon sagt, grammatikalisch männlich. Daran lässt sich nicht rütteln. Khura bezeichnet den Wüstenpixie als „er“, wenn sif von ihm als Angehöriger einer grammatikalisch männlichen Spezies spricht, und als „sif“, wenn sif von ihm als Person denkt. Ich bin ja auch „ein Mensch“ und nicht „eine Mensch“, nur weil ich zwei X-Chromosomen habe. Wenn ich, wie du, schreiben würde „dif Pixie“ oder „dif Sklave“, dann wäre das einfach grammatikalisch verkehrt. Gäbe ich hingegen allen Berufsbezeichnungen geschlechtsneutrale Suffixe und entsprechende Artikel, wäre die Geschichte lächerlich bis unleserlich. Stell dir nur vor, wie sich dann einige Sätze und Absätze läsen: „Sobald sif den Laden dis Schneideris betreten hatte, wandte sif sich an din Auszubildendin, welchif hinter dem Tresen stand, und fragte: ‚Wo ist deinif Vorgesetztif?’“ Die Nachtpixies haben zudem natürlich keine grammatikalischen Geschlechter in ihrer Sprache, sodass diese Sätze, würde man sie in der von dir vorgeschlagenen „pixiegetreuen Sprache“ schreiben wollen, so läsen: „Sobald sif din Laden dis Schneideris betreten hatte, wandte sif sich an din Auszubildendin, welchif hinter dim Tresen stand, und fragte: ‚Wo ist deinif Vorgesetztif?’“ Das will doch keiner. Das will ich nicht schreiben und das will niemand lesen. Ich lasse meine Leser lieber denken, die so Bezeichneten wären alle männlich, als dass ich sie denken lasse, ich wäre ein prätentiöser Idiot. Ehe du mir außerdem vorschreiben willst, wie ich diese Pronomen korrekt anzuwenden habe, solltest du sie selbst anwenden können, mit allem anderem stellst du dich nur selbst als inkompetent dar.
      So viel zur Sprache, kommen wir nun zu deiner Kritik zum Inhaltlichen. Wieso ist Khuras Einstellung zu Sklaverei unstimmig? Dass sif (Und nur sif – ob sire Meinung auch der der anderen Nachtpixies entspricht, wird in dem Text nicht ersichtlich) weiß, dass diese Aufgaben unangenehm und gefährlich sind, schließt längst nicht aus, dass sif sie von Sklaven machen lässt. Ganz im Gegenteil – deswegen _lassen_ die Nachtpixies diese Aufgaben von Sklaven übernehmen und machen es nicht selbst! Dass ihnen das bewusst ist, heißt noch längst nicht, dass sie es als den Lebenssinn eines Sklaven ansähen, diese Arbeiten auszuführen. Das fändest du vielleicht persönlich besser, aber das ist deine subjektive Vorliebe, die sich nicht als Kritik anbringen lässt. Mir fällt auch keine vergangene oder gegenwärtige sklavenhaltende Kultur ein, die es so macht, wie du beschreibst. Hingegen fallen mir viele ein, die Kinder verschonen, bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Auch sklavenhaltende Kulturen wissen, dass man nicht von jedem Sklaven, nur weil er ein Sklave ist, das gleiche erwarten kann, sodass ein kräftiger Mann vielleicht auf einer Galeere rackert, während eine gebildete Frau als Buchhalterin eingesetzt wird oder ein ruhiges Kind als Gesellschafter des Kindes seines Besitzers herhält. Ein Sklavenkind gut zu behandeln, liegt ja auch im Interesse des Besitzers, da es bedeutet, dass er, wenn das Kind erwachsen ist, eine weitere kostenlose Arbeitskraft hat. Die Nachtpixies hegen eine kulturelle Liebe zu Kindern. Das geht aus dem Text nicht deutlich hervor, dieser negiert es aber auch nicht, sodass du einen kulturellen Hintergrund von Khuras Mitgefühl für ein vermeintliches Kind nicht einfach ausschließen kannst. Dass eine Kultur, die Sklaven hält, nicht kinderlieb sein kann, ist genauso eine unberechtigte Annahme von dir, wie Sklaverei unter den Nachtpixies einen rassistischen Hintergrund hat. Du gehst einfach von gewissen Dingen aus, ohne sie zu hinterfragen, und kritisierst dann, dass meine Geschichte im Kontext deiner Annahmen keinen Sinn macht. So bringt man keine konstruktive Kritik an. Die meisten Sklaven der Nachtpixies sind überhaupt keine anderen Pixiespezies, sondern es sind Kriminelle und Nagas, aber da sie letztere zu gleichen Teilen als Tiere und als andere sentiente Spezies betrachten, ist deren Haltung für sie entsprechend zu gleichen Teilen Sklaverei und Nutztierhaltung. (Nebenbei ist „Rassismus bezieht sich auf die biologische Herkunft“ eine ziemlich rassistische Aussage, ganz zu schweigen von der Bezeichnung „Brut“ in diesem Kontext.) Wie die Kinder der Versklavten behandelt werden, geht aus der Geschichte hervor, aber ich verstehe deine Annahme nicht, dass die Kinder von Sklaven erst als Erwachsene selbst versklavt werden, und noch weniger die, dass ein Sklavenbesitzer erst Geld in die Aufzucht und eventuell Ausbildung eines Sklavenkindes stecken sollte, nur um es dann, wenn es erwachsen ist, freizulassen. Das Prinzip der Sklaverei unter Nachtpixies erschließt sich dir nur nicht, weil du an deinen grundlosen Annahmen nicht vorbei schauen kannst.
      Ich habe nichts gegen Kritik, aber bitte denk nach, bevor du sie anbringst, und überlege, ob es sich wirklich um Kritik handelt oder um persönliche Vorlieben. Es ist keine konstruktive Kritik, wenn du mir sagst, wie die Kultur meiner eigenen fiktiven Spezies deiner Meinung nach aussehen sollte, genauso, wie es keine konstruktive Kritik wäre, wenn mir jemand sagen würde, mein Protagonist sollte lieber Carlo und nicht Heinz heißen, weil er diesen Namen besser findet.

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